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Bei manchen Gebrauchtwagen-Verkaufsanzeigen findet sich der Hinweis "Nur für den Export oder Verkauf an Händler". Warum steht das da? Sind das alles verkehrsuntaugliche Rostlauben oder geht es nur um den Ausschluss von Garantie und Gewährleistung? Müssen manche Autos gar in den Export? Nicht zwangsläufig ...

 
 

Die Angst vor der Gewährleistung

Meist findet sich solch ein Anzeigenhinweis bei professionellen Autoverkäufern. Es gibt sogar Händler, die beschränken sich ganz auf den Autoankauf für den Export. Oftmals geht es den Händlern darum, die Gewährleistung beim Verkauf eines Fahrzeuges auszuschließen. Meist handelt es sich um Fahrzeuge, die wenig Chance haben, den nächsten TÜV mit einer frischen Plakette abzuschließen.

Dennoch werden auch solche Fahrzeuge mit dem Exporthinweis angeboten, die über frischen TÜV und AU verfügen und auch ansonsten einen guten Eindruck machen. Dann mag es sich um auch um ein besonders hochpreisiges Fahrzeug handeln, bei dem ein Gewährleistungsanspruch sehr teuer werden kann. Wer steckt schon in einem 12-Zylinder-Motor drin? O-Ton eines Autohändlers: "Bei solchen Fahrzeugen sind Probleme mit dem hiesigen Endverbraucher vorprogrammiert".

Ein Gewährleistungsausschluss ist bei einem Verkauf an Privatkunden rechtlich nicht möglich, auch wenn der Kunde damit einverstanden wäre.

Schrumpfender Oldtimer-Markt

Freunde hochwertiger Autos, die ihre Kindheit hinter sich haben, beklagen seit längerem, dass es kaum noch Oldtimer gibt. Kundenfreundliche Gewährleistungsansprüche mit Beweisumkehr sind der eine Grund, ein weiterer Faktor liegt in der immer komplexeren Elektronik moderner Fahrzeuge. Selber schrauben und auf Vordermann bringen ist kaum noch möglich.

Schrottreife Fahrzeuge gehen gerne nach Afrika und werden dort kostengünstig aufgemöbelt. Ein TÜV ist dort unbekannt. Hochwertigere Youngtimer werden vornehmlich nach Osteuropa (Polen, Russland) oder in den Libanon verkauft. Die dortigen Käufer lieben Mercedes und BMW.

Doku: Hier landen die Autos

Vorsichtsmaßnahmen einhalten

Der Export ist da eine sinnvolle Lösung, wenn man seinen alten, aber eigentlich noch frischen Wagen verkaufen will. Auch von der Umweltseite her gesehen, da viele Schadstoffe durch die Produktion eines Autos entstehen und ein Auto darum so lange wie möglich gefahren werden sollte.

Wer sich dann erwartungsvoll an einen Kärtchenhändler "Kaufe ihren alten Wagen, auch ohne TÜV" wendet, sollte seine Vorfreude über ein gutes Geschäft dämpfen.

Prinzipiell gilt: Solche Händler haben meist gute Kontakte zu ausländischen Märkten und können darum auch Autos ankaufen, von denen hiesige Händler Abstand nehmen.

Man wird dadurch auch problemlos problembehaftete Autos los. Allerdings sollte man seine Erlöserwartungen dämpfen, besonders bei Verkäufen nach Afrika. Besitzer von Limousinen der (oberen) Mittelklasse dürfen durchaus auf gute Preise hoffen. Zum anderen finden sich schwarze Schafe in der Branche. Man hört, dass ein Auto durchaus mal mit Falschgeld bezahlt wird.

Tipp

Fahrzeug vor Verkauf bei der Dekra oder dem TÜV schätzen lassen. Kosten: um die 100 Euro. Alternativ gibt es den Schätzpreis im Internet unter www.schwacke.de (um die 10 Euro) und www.dat.de (kostenlos).

Beliebt ist auch der Trick, am Telefon (nebenbei sei vor 0900er- oder 0190er-Nummern aufgrund hoher Kosten gewarnt) eine hohe Summe für den Wagen zu bieten und dann vor Ort nur noch einen Bruchteil davon.

Der ADAC rät deshalb, bei solchen Verkäufen, nie in irgendeine Form von Vorleistung zu treten und immer einen Kaufvertrag abzuschließen. Die Fahrzeugpapiere und -schlüssel sollten nur gegen (echtes) Bargeld aus der Hand gegeben werden. Bei höheren Beträgen empfiehlt sich die Auszahlung in einer Bank, so wird ein Falschgeldverkauf ausgeschlossen.

Und: Den Wagen immer abgemeldet übergeben. Ansonsten kann es zu steuerlichen und juristischen Problemen kommen.

Fazit

Auch gute Autos können mit dem Hinweis "Nur für Export" versehen sein. Der Händler ist sich aber unsicher, ob in der Zeit der Gewährleistung nicht doch etwas kaputt gehen kann. Darum lohnt es sich durchaus, bei diesen Anzeigen einmal näher hinzuschauen. Oft werden "Nur-für-den-Export-Angebote" mit einem deutlichen Preisabschlag angeboten.

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